Die Bedeutung von chemischer Barrierefreiheit
Chemische Barrierefreiheit ist relevant für die Gesundheit und Sicherheit von Betroffenen
Menschen mit MCS werden zum Rückzug aus der Gesellschaft gezwungen, um sich zu schützen. Sie müssen zu ihrem eigenen Schutz in Isolation leben und sind stetig - oft vergeblich - auf der Suche nach einem sicheren Ort. Sie werden durch fortbestehende chemische Expositionen im Umfeld kränker und oft auch pflegebedürftig. Dennoch haben sie keine pflegerische Versorgung. Sie erhalten aktuell weder Schutz noch Versorgung und können sich selbst keine ausreichende Sichtbarkeit verschaffen.
Chemische Barrierefreiheit dient der Teilhabe an der Gesellschaft und dem Schutz von Betroffenen:
- Schutz vor Fortschreiten der Erkrankung
- Schutz vor körperlicher Versehrung und
- Schutz vor chemischer Gewalt.
Verantwortungsbewusstsein für den Schutz von Betroffenen ist daher elementar. Grundlegend ist eine inklusive Haltung, geprägt von Respekt gegenüber chemischer Verwundbarkeit im Niedrig-Dosis-Bereich - ohne chemikalienbezogene Normativität, Bagatellisierung oder Umkehr der Verantwortung. Diese Haltung zeigt sich durch zügiges Handeln von Politik, zivilgesellschaftlichen Organisationen und couragierten Einzelpersonen:
- Aufklärung über chemische Stoffe als Barrieren und Benennung von MCS als Behinderung
- Proaktive Durchführung von konkreten Maßnahmen zur Herstellung von chemischer Barrierefreiheit.
Was ist Chemische Barrierefreiheit
Chemische Barrierefreiheit umfasst Maßnahmen zum Schutz vor chemischen Stoffen im Niedrig-Dosis-Bereich, insbesondere in der Atemluft:
Schutz vor Passivrauch
Maßnahmen zum wirksamen Nichtraucherschutz
- Rauchfreie Eingangsbereiche
- Trennung von Rauch- und Nichtraucherbereichen
Schutz vor Passivduft
Maßnahmen zum wirksamen Schutz vor Parfüm bzw. Duftchemikalien
- Verzicht auf Raumbeduftung
- Verzicht auf duftstoffhaltige Gegenstände, z.B. beduftete Müllbeutel, Duftkerzen
- Verzicht auf dufthaltige Reinigungsmittel
- Einführung duftstofffreier Verhaltensrichtlinien und Aufklärung über diese Richtlinien.
Schutz vor Bioziden
Maßnahmen zum Schutz vor Bioziden, wie Pestiziden, Fungizide, Insektiziden
- Information über den Einsatz von Bioziden
- Verzicht auf vermeidbare Biozide (z.B. an Müllbeuteln und anderen Gebrauchsgegenständen)
Schutz vor Schadstoffen in Bau und Ausstattung
Maßnahmen zum Schutz vor Stoffen wie Holzschutzmittel, Formaldehyd, Phthalate, Flammschutzmittel, Toluol (Laserdrucker)
- emissionsarme Bauprodukte
- wirksame Belüftungskonzepte
- emissionsorientierte Nutzungskonzepte
- emissionsarme Möbel, Teppiche etc.
Konkrete Maßnahmen zum Abbau chemischer Barrieren
Unterstützen Sie uns. Jede Maßnahme hilft. Die Maßnahmen benötigen in erster Linie Organisation und Regulierung.
Ansatzpunkte zum Abbau chemischer Barrieren findet man am besten, wenn man versteht, wie sie entstanden sind. Viele chemische Barrieren entstehen unbeabsichtigt – aber systematisch. Oft sind es alltägliche Entscheidungen, die dazu führen, dass Räume, Angebote oder Abläufe nicht mehr für alle zugänglich sind. Ob Reinigung, Ausstattung, Bauplanung oder Verhalten – auf vielen Ebenen wird Raumluft beeinflusst. Weitere Informationen dazu hier: Ansatzpunkte.
Es gibt viele gute Beispielen aus verschiedenen Ländern – von Universitäten, Flughäfen, Wohnprojekten oder unabhängigen Selbstvertretungen. Manche setzen auf verbindliche Richtlinien, andere auf praktische Hinweise, Aufklärung oder architektonische Lösungen, weitere Informationen dazu hier: Gute Beispiele weltweit.
Was kann ich selbst tun?
Ob zu Hause, unterwegs oder bei Begegnungen mit anderen – viele Produkte beeinflussen die Atemluft, oft ohne dass es bemerkt wird. Doch mit ein paar klaren Grundregeln lässt sich viel bewirken.
Auf dieser Seite erfahren Sie,
- welche Produkte sicher sind – und welche nicht
- worauf Sie beim Einkauf achten können
- wie Sie Schritt für Schritt einen duftfreien Alltag umsetzen
- wie Sie mit Rücksicht und Bewusstsein zum Schutz beitragen – auch ohne selbst betroffen zu sein
Sie haben als Organisation den Schlüssel in der Hand:
Mit Ihrer Haltung, Ihrer Koordination und Ihren Standards bestimmen Sie, ob Teilhabe möglich wird.
- Viele Schadstoffe gelangen nur deshalb in die Räume, weil niemand widerspricht.
- Viele Barrieren entstehen nicht mutwillig – sondern aus Gewohnheit.
- Viele Menschen würden mitwirken – wenn sie wüssten, worum es geht.
Werden Sie aktiv: Übernehmen Sie die Koordination – und machen Sie Ihre Maßnahmen zum Standard.
Auf dieser Seite finden Sie konkrete Schritte, mit denen Sie eine schadstoffarme Umgebung fördern können.
Wir alle teilen uns die Luft. Jede:r kann dazu beitragen, dass sie frei von Schadstoffen ist.
Auch wenn Sie selbst nicht betroffen sind: Ihre Stimme zählt! Sprechen Sie das Thema proaktiv an!
