Strategien zur Emissionsvermeidung für bessere Luft

Emissionsvermeidung

Duftstoffrichtlinien und Innenraumluft: messbare Unterschiede

Wie wirken sich Duftstoffrichtlinien auf die Innenraumluft aus? Eine aktuelle kanadische Studie von Trifunovski et al. (2026) verglich Büroräume mit und ohne Duftstoffrichtlinien und untersuchte dabei die Konzentrationen verschiedener Luftschadstoffe.

Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede: Die durchschnittliche TVOC Konzentration lag in Büros mit Duftstoffrichtlinie bei 489 µg/m³, ohne Richtlinie bei 1.230 µg/m³. Auch bei mehreren einzelnen flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) wurden höhere Konzentrationen in Büros ohne Duftstoffrichtlinie gemessen. 

In der multivariablen Analyse zeigte sich der Richtlinienstatus auch unter Berücksichtigung von Raumgröße, Belegung und Lüftungsrate als signifikanter Einflussfaktor für TVOC und mehrere einzelne VOC. Für andere untersuchte Luftschadstoffe wurde dagegen kein signifikanter Zusammenhang mit dem Richtlinienstatus festgestellt. 

Die vier Grafiken zeigen zentrale Ergebnisse der Studie und zugleich, warum Duftstoffrichtlinien ein Baustein umfassender Emissionsvermeidung sind.

Saubere Innenraumluft beginnt an der Quelle. In Innenräume gelangen chemische Emissionen aus unterschiedlichen Quellen, beispielsweise durch Produkte, Reinigung, Ausstattung, Bau und Renovierung, Rauch oder andere Verbrennungsprozesse. Eine zentrale Strategie für bessere Innenraumluft ist deshalb, vermeidbare Emissionen möglichst gar nicht erst entstehen oder in Innenräume gelangen zu lassen.

Quellenkontrolle: Emissionen vermeiden, bevor sie in der Luft sind

Dieses Prinzip wird als Quellenkontrolle (Source Control) bezeichnet. Dabei wird direkt an den Emissionsquellen angesetzt, statt Schadstoffe erst nach ihrer Freisetzung aus der Raumluft entfernen zu müssen. Quellenkontrolle ist ein grundlegender Ansatz zur Verbesserung der Innenraumluft und wird durch Lüftung und Luftreinigung ergänzt.

Duftstoffrichtlinien und messbare Innenraumluft

Wie sich Quellenkontrolle in der Praxis in der Innenraumluft widerspiegeln kann, zeigt eine aktuelle kanadische Studie von Trifunovski et al. (2026). Die Forschenden verglichen Büroräume mit und ohne Duftstoffrichtlinien und untersuchten dabei unter anderem flüchtige organische Verbindungen (VOC).

In Büros mit Duftstoffrichtlinien lag die durchschnittliche Gesamtbelastung mit flüchtigen organischen Verbindungen (TVOC) bei 489 µg/m³, in Büros ohne entsprechende Richtlinie bei 1.230 µg/m³. Auch bei mehreren einzelnen VOC wurden signifikant höhere Konzentrationen in Büros ohne Duftstoffrichtlinie festgestellt.

Die Ergebnisse zeigen damit einen Zusammenhang zwischen dem Bestehen einer Duftstoffrichtlinie und geringeren Konzentrationen verschiedener VOC in den untersuchten Büroräumen. Die Autor:innen ordnen Duftstoffrichtlinien als eine Form der Quellenkontrolle ein.
 

Von der Einzelmaßnahme zum systematischen Konzept

Quellenkontrolle beschränkt sich nicht auf Duftstoffe. Eine weitere aktuelle Arbeit von Roy et al. (2026) entwickelt ein Modell, in dem Duftstoffrichtlinien in ein umfassenderes Management der Innenraumluft eingebettet werden.

Das Modell berücksichtigt neben persönlichen Duftprodukten auch andere chemische Emissionsquellen und verbindet Quellenkontrolle mit 

  • Beschaffung, 
  • Reinigung und Gebäudebetrieb, 
  • Rauch und Verbrennungsquellen, 
  • Kommunikation und 
  • Schulung sowie 
  • klaren Zuständigkeiten, Kontrolle und Evaluation.

Die Autor:innen weisen darauf hin, dass es inkonsequent ist, einzelne Emissionsquellen wie persönliche Duftstoffe zu beschränken, während andere vermeidbare Quellen wie beduftete Reinigungsprodukte, Verbrennungsrauch, Pestizide oder chemische Wartungsmaßnahmen weiter zugelassen werden. Quellenkontrolle sollte relevante Emissionskategorien gemeinsam berücksichtigen.

Lüftung kann Schadstoffe verdünnen und aus Innenräumen abführen, ersetzt die Quellenkontrolle jedoch nicht. Solange Schadstoffe fortlaufend eingebracht werden, kann Lüftung diese Einträge nicht vollständig kompensieren.
 

Duftstoffe sind eine Emissionsquelle unter mehreren

Duftstoffe und beduftete Produkte sind ein wichtiger Anwendungsbereich der Emissionsvermeidung, aber nicht die einzigen Quellen chemischer Emissionen in Innenräumen. Maßnahmen für saubere Innenraumluft sollten deshalb nicht bei einer einzelnen Stoffgruppe stehen bleiben. Unterschiedliche vermeidbare Emissionsquellen müssen betrachtet und möglichst bereits an ihrer Quelle reduziert werden.

Ein konkretes Instrument dafür sind Duftstoffrichtlinien. Sie werden international bereits in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt. Wir haben bestehende Richtlinien und ihre Ausgestaltung auf einer eigenen Seite zusammengestellt. Zu den Duftstoffrichtlinien

 

Quellen

Trifunovski et al. (2026): Scent-Free Policies: An Effective and Low-Cost Source-Control Strategy to Improving Indoor Air Quality: Studie zum Vergleich flüchtiger organischer Verbindungen (VOC) in kanadischen Büroräumen mit und ohne Duftstoffrichtlinien (aktuell im Preprint).

Roy et al. (2026): Toward an Evidence-Informed Model Fragrance-Free Policy: An Indoor Air Quality Source-Control Framework for Accessibility and Inclusion (aktuell im Preprint).

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